
Nis ist die zweitgrößte Stadt in Serbien und eine der ältesten Städte auf dem Balkan. Sie wurde im 3. Jahrhundert vor Christi von Kelten als Navissos gegründet, als eine sehr wichtige Kreuzung zwischen Ost und West, während sie heute als wichtige Kulturdestination auf der Karte Serbiens bekannt ist. Ein Beitrag von Tihana Pavicevic.
Die Römer eroberten die Stadt 75 v. Chr. Navissos wurde in Naissus umbenannt und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Kastelle des römischen Balkans. Durch Naissus führte die strategische Straße Via Militaris, die von Konstantinopel aus über Adrianopel-Philippopolis-Serdica-Naissus quer über die Balkanhalbinsel bis nach Singidunum (heute Belgrad) führte und der ehemaligen Europastraße 5 (heute teils E 75, teils E 80) entspricht. In Naissus wurde um 280 Konstantin der Große geboren, der als römischer Kaiser das Christentum privilegierte; auch der weströmische Kaiser Constantius III. ist ein Sohn der Stadt. Nach 395 gehörte Naissus zu Byzanz. Als erster serbischer Fürst kam Stefan Nemanja 1185 in den Besitz der Stadt, der sie sogleich zu seiner Hauptstadt machte. In Nis empfing Stefan Nemanja Kaiser Friedrich Barbarossa, der als Kreuzfahrer 1189 entlang der Via Militaris nach Süden zog. Die beiden Herrscher unterzeichneten das erste serbisch-deutsche Abkommen.
In seiner neueren Geschichte erlebte Nis eine bedeutende wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung und wurde zum Träger des modernen Kulturlebens dieses Teils Serbiens. Auf Initiative des Ausschusses für Bürgerinitiative von Nis und mit finanzieller Unterstützung des Schweizer Programms für Kultur auf dem Westbalkan wurde zum ersten Mal in Serbien ein einzigartiges Projekt realisiert – „Die Goldmine“. Im Rahmen dieses Projekts wurde die ganze alternative Kunstszene einer Stadt von den 80er Jahren letzten Jahrhunderts bis heute auf neun DVDs verpackt. Hier befinden sich Audio- und Videoaufnahmen, Fotos, Biographien von über 30 alternativen Bands, Werke von über 20 Schriftstellern, Comicautoren, Fotografen, über 50 Filme und kurze Videoformen und Fernsehkonzerte von Bands aus Nis. Einer der Autoren des Projekts „Die Goldmine“ Predrag Cveticanin sagte, es habe volle 18 Monate gedauert, bis man das ganze Material gesammelt habe. Man habe insgesamt einhundert Kollektionsexemplare gemacht, welche für Bibliotheken, Archive und Medien gedacht seien. Cveticanin hob hervor, er plane zusammen mit seinen Mitarbeitern dieses Material auf eine Internetseite hochzuladen.
Das Projekt „Die Goldmine“ sollte bald zur Erstellung von Digitalarchiven in Leskovac, Vranje, Pirot und Zajecar verhelfen.
