Sava Šumanović – „Letzte Dekade“

14. 06 2012. - 19:16 -- MRS
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Anlässlich der 70 Jahre seit dem tragischen Tod einer der wichtigsten serbischen Maler, Sava Šumanović (1896 – 1942), wurde in der Galerie im Heim der Armee Serbiens in Belgrad die Ausstellung „Letzte Dekade“ eröffnet. Die Begleitausstellung „Sava Šumanović – persönlich, familiär, national“ umfasst Fotos und Dokumente über diesen Künstler und seine Familie, sodass sich die Besucher auch mit wenig bekannten Details aus dem Leben und kreativen Arbeitsumfeld von Sava Šumanović kennen lernen können. Die Autorinnen der Ausstellung sind Vesna Burojević und Ljubica Jukić.

Bei der Ausstellung sind Šumanovićs Werke gezeigt, die er im letzten Jahrzehnt seines Lebens, von 1931 bis 1942, in der serbischen Stadt Šid geschaffen hatte. Das Elternhaus verließ Sava mit 10 Jahren, als er Schüler des Gymnasiums in Zemun wurde. Auf der Suche nach dem Wissen weilte er auch in Zagreb und Paris. Während seines ersten Aufenthalts in Paris 1920 eignete er sich zeitgenössische Tendenzen in der Malerei an, und wurde zum führenden Vertreter des Konstruktivismus in der serbischen Malerei. Während seines zweiten Aufenthalts in Paris von 1925 bis 1928 wurde er von den prominentesten französischen Kritikern gefeiert. „In den Pariser künstlerischen Kreisen gelobt zu sein, war ein Zeichen dafür, dass es sich um ein Ausnahmetalent handelt“, schrieb später Kunst- und Literaturkritiker, Milan Kašanin.

Die letzten 12 Jahre seines Lebens verbrachte Sava Šumanović in Šid. In diesem Zeitraum schuf er mehr als 300 Gemälde. Dabei befasste er sich in erster Linier mit der Landschaft oder mit dem Akt. Während andere Künstler auf der Suche nach der Inspiration exotische Gebiete besuchten, fand Sava all das in Šid. Seine zehnjährige Arbeit stellt eine Art Chronik von Srem dar. Erste Landschaften stammen aus den Jahren 1932 und 1933, als Sava aus Paris zurückgekehrt war. Bereits diese Werke zeigen, welche bedeutende Rolle die Farben für diesen Künstler hatten. In dicken Schichten, oft mit einem Malermesser, trug er die Farben auf die Leinwand auf. Oft fand er die Inspiration im Frühjahr und Herbst, wahrscheinlich wegen zahlreicher Farben. Obwohl es sich um den Anfang der Schaffung einer Poetik handelt, zählen einige dieser Werke zu seinen besten Leistungen. Damals entstanden „Šidski sokaci“ (Gassen von Šid), „Proleće u šidskim baštama“ (Frühling in den Gärten von Šid) usw.

Auch dem Licht fällt eine bedeutende Rolle in Savas Gemälden zu, wobei er oft als „der größte serbische Maler des Lichts“ gefeiert ist. „Oft malte er weiße Obstbaumkronen blühmen, und zwar so komponiert, als ob sie als Wolken über dem Himmel schwebten, verbergend dabei wo der Himmel anfängt. Durch die Baumkronen durchgehend, wird das Licht heller“, erklärt Ljubica Jukić, eine der Autorinnen der Ausstellung in Belgrad. Sie beschreibt uns, dass die Straßen auch ein beliebtes Motiv auf Šumanovićs Gemälden sind. Diesem Künstler gelinge es, den Beobachter ins Gemälde hinein zu versetzten, sodass er – der Beobachter – letztendlich zum Teil der künstlerischen Welt selbst werde, so Frau Jukić.

Bei der Ausstellung „Letzte Dekade“ können sich die Besucher das Zyklus „Šidijanke“ (Frauen aus Šid) – Akte in der Natur anschauen. In den ersten fünf Jahren in Šid hatte Šumanović kein Aktmodell. Später fand er ein Mädchen, das ihm posierte. Dieses Zyklus begann Sava mit den Gemälden mit einem Akt, allmählich vergrößerte er die Größe der Gemälde und der Zahl der Akte, was dafür spricht, dass der Künstler eine klare Vision zu seinem Zyklus hatte. Die größten Formate sind 250 x 190 cm groß, wo sich fünf oder sieben Akte befinden. Das Zyklus „Šidijanke“ wurde zum ersten Mal 1939 in Belgrad aufgestellt.

Seit dem 1941, als Šid Teil des Unabhängigen Staats Kroatien wurde, hörte der Künstler auf, seine Gemälde zu unterschreiben. Aber er schuf weiter. Einige seiner besten Werke entstanden gerade in jenen Kriegsjähren. Am Tag der Mariä Himmelfahrt, den 28 August 1942, wurde Sava zusammen mit anderen 160 Serben verhaftet, und nach Sremska Mitrovica transportiert. Nach Folterungen wurden alle hingerichtet und in ein Massengrab hingeworfen.

Sava Šumanović malte bis zum Ende seines Lebens. Als Ustascha ihn abholten, stand an der Staffelei das beendete Gemälde „Beračice“.