
„Neben der mangelnden Bereitschaft von in- und ausländischen Institutionen, das Schicksal von Vermissten zu enthüllen, sowie entdeckte Gräber zu exhumieren, stellen auch die doppelten Standards der internationalen Gemeinschaft gegenüber den Opfern serbischer und anderer Nationalitäten ein Problem dar“, wurde bei einer Sitzung gesagt, die den vermissten, ermordeten und vergessenen Serben im Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens gewidmet war. Ein Bericht von Jelica Tapuškovic.
Nach den Kriegen der 90er Jahre auf dem Gebiet von Ex-Jugoslawien und Kosovo und Metohija wurden offiziell etwa 40 000 Vermisste aufgedeckt, von denen 26 000 in diversen Grabstätten durch das ganze oben genannte Gebiet gefunden wurden. Heute werden noch 13 000 von ihnen als vermisste Personen angeführt, von welchen 4000 serbischer Nationalität sind. Der Präsident der Kommission für vermisste Personen der serbischen Regierung, Veljko Odalović, sagte, es sei Priorität dieses Organs, alle Vermisste aufzudecken. Er erinnerte an alle Länder in der Region, mit welchen Serbien Abkommen unterzeichnet hat, die dazu verpflichten, dass diese Fahndung zu Ende geführt wird. Odalović äußerte seine Zweifel, dass die Zahl der Vermissten sogar größer sein könnte, da eine große Zahl der Menschen falsch identifiziert worden ist, und die Familien nicht erneut durch schmerzhafte Prozesse gehen wollen. Er betonte, dass Serbien den Antrag auf Exhumierung von Gräbern in Kosovo und Metohija erneuert habe, wie auch den Antrag zur Durchsuchung des Rudnik-Sees, welches in den kommenden vier bis fünf Wochen durchgesucht werden sollte. Odalović sagte, die Kommission habe zudem Probleme mit internationalen Experten, die nicht ausreichend oder gar nicht mitarbeiten.
„Das, was besonders beunruhigend ist, ist die extrem schlampige und unverantwortliche Haltung des Spezialteams des Haager Tribunals, welches das Gebiet von Kosovo und Metohija durchgegraben, über 4000 Körper exhumiert und 2000 mit klassischer Methode identifiziert hat, wobei heute 400 Körper in der Leichenhalle von Priština liegen, die nicht identifiziert werden können und für welche angenommen wird, dass sie größtenteils falsch ausgeführt wurden“, sagte Odalović.
Er fügte hinzu, dieses Problem existiere auch in Banja Luka, Zagreb, Tuzla und Sarajevo. Deshalb ist es wichtig, dass die nationalen Kommissionen und alle Ländern in der Region kooperieren und Informationen austauschen. Die Präsidentin der Koordination der Verbände der Familien von Vermissten aus Ex-Jugoslawien, Nataša Šćepanovic, führte an, dass sich in diesem Organ sechs Verbände aus Serbien, Bosnien-Herzegowina und Kosovo befinden, die gemeinsam versuchen würden, Daten zu bekommen. Sie erinnere daran, dass bloß im südöstlichen Teil von Bosnien 61 Konzentrationslager existierten, in welchen Serben misshandelt und ermordet wurden, aber auch in Kroatien, jedoch dass dies in der internationalen Öffentlichkeit fast gar nicht erwähnt wird. Deshalb wird die Koordination eine sofortige Eröffnung eines Archivs für Entführte und Vermisste fordern, um eine einzigartige Datenbank gründen zu können, denn die Exhumierungsberichte sprechen über grausame Folterungen. Bloß auf diese Weise wird man den Opfern und ihren Familien ihre Würde zurückgeben und ein würdiges Leben ermöglichen können. Bei der Sitzung sprachen auch Dragan Pjevač, Nedeljko Mitrović, Verica Tomanović und Mirjana Božin, welche auf die Schwierigkeiten bei der Suche hingewiesen haben, und darüber, dass die Gerechtigkeit nicht dieselbe für Opfer serbischer und anderer Nationalitäten ist.
