
Vor Kurzem ist ein Buch von Spasoje Z. Milovanovic herausgekommen, mit dem Titel „Über das Drama-Werk von Dr. Vojislav M. Jovanovic Marambo“, welches vom Theatermuseum der Vojvodina herausgegeben wurde. Über Vojislav Jovanovic ist in der einheimischen Öffentlichkeit wenig bekannt. Dieser allseitige Mann arbeitete in der Literatur, er erforschte Volksliteratur, er war Übersetzer, Publizist, Bibliograph, Archivist, Diplomat. Ihm ist zu verdanken, dass der älteste serbische historische Film – „Die Krönung des Königs Peter I Karadjordjevic“ aus 1904 gefunden wurde.
Vojislav Jovanovic wurde in Belgrad am 12. Oktober 1884 geboren. Er studierte Literatur in Lausanne, Genf und London. Er doktorierte in Grenoble 1911 und 1912 wurde er zum Dozenten der Belgrader Universität für komparative Literatur gewählt. Das Pseudonym Marambo nimmt er 1903 an, als er seine Zusammenarbeit mit dem Blatt „Mali Zurnal“ anfängt. Zwischen 1903 und 1914 schreibt er die Stücke „Also sprach Zarathustra“, „Unser Schwiegersohn“, „Unsere Väter“, „Unsere Söhne“ und „Karriere“.
Ein wichtiger Teil seiner wissenschaftlichen Arbeit ist die Erforschung von Volksliteratur und der Rolle unserer Volkspoesie im europäischen Romantismus. Er veröffentlichte zwei Anthologien: „Serbische Volkslieder“ (1922) und „Serbische Volkserzählungen“ (1925). Heute befindet sich in seinem Haus in Belgrad die Abteilung für Volksliteratur der Universitätsbibliothek „Svetozar Markovic“.
Jovanovics Interesse für politische Geschichte gab auch wertvolle Resultate: er bereitete eine Sammlung von Dokumenten über die Grenze mit Albanien vor, über den Rapal-Vertrag, den London-Pakt und ein Buch über die jugoslawischen Archive aus dem Zweiten Weltkrieg. Einen wichtigen Platz darin nimmt die „Englische Bibliographie über die Ostfrage in Europa“ ein.
Er befasste sich neben all dem auch mit Fotografie und hinterließ wertvolle Zeugnisse über Menschen, die er kannte und über die Länder und Städte, die er besuchte.
Während des Ersten Weltkriegs war er Mitglied des Kriegspressbüros des serbischen Oberkommandos und der Chef des Pressbüros der serbischen Regierung in London und Washington. Vom eigenen Geld kaufte er en in London aufgefundenen Film „Die Krönung des Königs Peter I Karadjordjevic“. Die Szenen der Krönung von König Peter I, und seiner Besuche in Kraljevo, Zica, Studenica, Raska, Novi Pazar, Andijevica, Cetinje, Sibenik und Zadar wurden von Wilson Arnold Muir, dem serbischen Ehrenkonsul aus Sheffield und vom Kameramann Fran Storm Motershaw aufgenommen. Der Film wurde 1980 zum serbischen Kulturgut erklärt und nimmt auf der Liste wichtiger serbischer Filme den ersten Platz eins. Das Quellmaterial des Films hinterließ er der Serbischen Orthodoxen Kirche, und es wurde durch schlechte Aufbewahrung beschädigt. Drei Jahrzehnte später wurde die Kopie, welche er der Jugoslawischen Bildungsschau geschenkt hatte, gefunden und gänzlich (alle 1156 Meter) in Italien restauriert. 1904 wurde der Film in London gezeigt, und am 10. April 1905 im Belgrader Nationaltheater, wo ihn auch Vojislav Jovanovic Marambo gesehen hat.
1924 wurde er Leiter der historischen Abteilung des Außenministeriums, und dort blieb er mit kleinen Pausen bis 1950. Zwischen 1950 und 1962 war er wissenschaftlicher Berater und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Serbischen Akademie der Wissenschaften. Er starb in Belgrad 1968.
